Sketch für 4 Personen

Die Zeit: Im langen, weißen Gewande, eine Sanduhr auf dem Kopfe.
Die Vergangenheit: Im weißen, mit grüner Myrthe besteckten Kleide.
Die Gegenwart: Ebenfalls im weißen, mit Silberblumen geschmückten
Kleide.
Die Zukunft: Rosenfarbig gekleidet, Rosen und goldene Blätter im
Haare.

Die Zeit:

“Dank, meiner Töchter, daß ihr seid erschienen
Auf meinen Ruf, mit leichtbeschwingtem Schritt,
Auch bringt ihr, künden es auch eure Minen,
Manch sinnige und schöne Gabe mit.
So helfet freundlich mir das Fest zu schmücken,
Das treu bewährte Liebe heut begeht,
Vor allem mögst du, Zukunft, stets beglücken
Das treue Paar, das allhier vor uns steht! –

(Vor das Silberpaar tretend)

Wie ja hinieden ernst und heitre Stunden
In stetem Wechselspiel den Menschen nah’n, –
Ersehnt, gefürchtet, – schnell sind sie entschwunden,
Oft haftet ihnen kaum Erinn’rung an, –
So hat dem Sterblichen doch Gottes Güte
Manch unvergesslich schönen Tag bescheert,
Wo sich ihm voll erschließt die Freudenblüte,
Und keine Sorge ihm das Herz beschwert. –
Solch Tag des Glücks ist heute euch gekommen,
Darum euch jeder Wunsch und Gaben beut,
Und deshalb nahet, da sie es vernommen,
Mit ihren Töchtern grüßend euch die Zeit.
Laßt mit den Wünschen, die sie euch entgegen
Hier tragen, vielgeliebtes Jubelpaar,
Sie vor euch beiden nun auch niederlegen,
Was sie euch glückverheißend bieten dar!”

Die Vergangenheit:

“Schon bei der Morgensonne ersten Strahlen
Trat ich mit leisem Gruß heran zu euch,
Vor euer Aug’ ein lieblich Bild zu malen,
An schönen, lichten Farben gar so reich!
Ihr sahet darin, was ihr habt erfahren
An Glück und Freude jede Stunde hier,
In diesen fünfundzwanzig langen Jahren,
Die nun vereint schon seid gewandelt ihr.
Wie euch des ew’gen Vaters Güt’ und Gnad
Geleitet hat voll Liebe früh und spat,
Und er euch fort und fort auf eurem Pfade
Mit seinem Segen überschüttet hat!-
Und selbst wo trübe Tage er gesendet,
Durch Wolken euch, die Sonne hat verhüllt, –
Daß auch das Leid er euch zum Heil gewendet,
Ihr müsst es heut’ bekennen, dankerfüllt!-
Und weiter zeigt mein Bild die Augenblicke
Noch einmal euch, da sich voll Seligkeit
Die Herzen fanden, um fortan im Glücke
Und Leid sich zu gehören allezeit! –
Ihr durftet euch auch beide wieder sehen,
– Den grünen Myrthenkranz du in dem Haar, –
An Gottes heiligem Altare stehen,
In goldnem Jugendglanz, ein frohes Paar.
Und ferner schautet ihr die schönen Stunden,
Die euch in eurer zarten Kinder Kreis
So fröhlich, ohne Harm dahingeschwunden,
Als Lohn für eure Sorge, Müh’ und Fleiß. –
Doch saht ihr auch, wie sich die euern sehnen,
Voll Dankbarkeit dem teuern Elternpaar
So recht die Lebenstage zu verschönen,
Es zu erfreun durch Liebe immerdar.
Darum, wenn euer Herz der Huld gedenket,
Die jeden Morgen über euch ward neu,
Und alles dessen, was euch Gott geschenket,
So preiset tiefbewegt ihr seine Treu! –
Und wenn je einmal Tage kommen mögen,
Wo Sorg’ und Gram sich in das Herz euch schleicht, –
Wollt nur das Haupt auf dieses Kissen legen,
Und alles Herzeleid, es ist verscheucht!
Denn vor des Traumbilds freundlichen Gestalten,
Die euch umgaukeln, wenn ihr hierauf ruht,
Vermag kein Kummer dauernd stand zu halten,
Noch euch zu rauben euern frohen Mut. – –
So lebt denn wohl, und wenn dereinst nach Jahren
Euch mit dem goldnen Kranze schmückt die Zeit,
Sich all die euren liebend um euch scharen,
So kehrt auch wieder die Vergangenheit!”

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Die Gegenwart (einen Korb Blumen vor dem Paare ausschüttend.)

“Viel bunte Blumen streuend euch zu Füßen,
So naht das flücht’ge Kind der Mutter Zeit –
Die Gegenwart, Geliebte, Euch zu grüßen
An diesem frohen Jubelfeste heut!
Auch eine bleibende und schöne Gabe,
Die in sich birget tiefen, reichen Sinn,
Euch beiden ich zu überbringen habe,
O nehmet sie aus meinen Händen hin!-
Die langen Jahre, die dahingeschwunden
Seit man aus duft’gem grünem Mythenreis
Zum schönsten Fest euch Kranz und Strauß gewunden,
Sie färbten Blatt und Blüte silberweiß.
Doch stark und fest wie damals ist geblieben
Das Band, das heute noch vereint euch hält,
Gewoben ist’s aus echtem, treuem Lieben,
Deshalb zerreißt es keine Macht der Welt.
Und ich darf euch darum zum Lohne bieten
Den Schmuck, der solcher wahren Liebe wird,
Hier diesen Kranz mit seinen Strahlenblüten
In dem Gezweig der lichten Silbermyrth’!
Dem Paare, welchem er vergönnt hienieden,
Dem wird mit ihm ein friedlich stilles Glück,
Von keinem Sturm gefährdet mehr, beschieden,
Das fein bleibt bis zum letzten Augenblick.
Auch euch, geliebtes Paar, will es bescheren
Der treue Gott; er wolle voll und ganz
Das noch, wenn sich zum goldnen Glanz verklären
Dereinst wird euer Silbermyrthenkranz!”

Die Zukunft (einen Haussegen überreichend)

“Wo glückverheißend heut sich um euch einen
Die Gegenwart und die Vergangenheit,
Da möchte segenbringend auch erscheinen
Die Zukunft, als das dritte Kind der Zeit,
Und will zu dieses Festes Feier heben
Den Schleier, der ihr Antlitz sonst verhüllt,
Will euch auf eure Frage Antwort geben,
Was sich von eurem Hoffen einst erfüllt! –
Geschwunden seht ihr da die bangen Sorgen,
Die oft sich schlichen in das Herz hinein,
Gleich heiter, wie euch war der Lebensmorgen
Wird auch der Mittag und der Abend sein.
Bis in das Alter will der Herr euch tragen,
Voll Lieb’ und Huld, – Er hält, was er verspricht,
Drum schreitet vorwärts fröhlich, ohne Zagen,
Gott führet euch auf Pfaden sanft und licht!
Und weiter ist es treue Kindesliebe,
Die eure Tage hell und freundlich macht,
Die sorglich von euch fern hält alles Trübe,
Auf eurer Wünsche leisesten hat Acht. –
Doch was von allen Leuchtet hier entgegen
Aus meinem Blicke deutlich euch und klar? –
Es ist des treuen Gottes reicher Segen,
Der mit euch war und bleibet immerdar! –
Durch Gottes Segen habt ihr euch gefunden,
Er war mit euch am schönen Traualtar,
Durch ihn sind eure Herzen nun verbunden
In treuster Liebe fünfundzwanzig Jahr! –
Und das er nimmer von euch weichen möge,
Das will bewirken dieser Talisman
Den heute ich in eure Hände lege,
Ihm reihen sich viel inn’ge Wünsche an.
Ja Gottes Gnad’ und Segen möge walten
Stets über euch und über dieses Haus,
Gesund an Leib und Seele woll’ er euch erhalten,
Und alle die hier gehen ein und aus!”